Bernsteinschaben: harmlose Einwanderer

Seit ein paar Monaten häufen sich bei deutschen Zoologen und Schädlingsspezialisten die Anrufe besorgter Anwohner. Immer wieder werden Schaben gesichtet und man ist sich nicht sicher, ob es sich dabei nicht um gesundheitsgefährdende Kakerlaken handelt. Tatsächlich sind es oftmals Bernsteinschaben (Ectobius vittiventris) und diese sind gänzlich unbedenklich.

Diese Wärme liebenden Insekten gehören der Unterfamilie der Waldschaben an und haben erst kürzlich in Deutschland Fuß fassen können. Vor gerade vierzehn Jahren wurden die ersten Bernsteinschaben im südlichen Baden-Württemberg gesichtet. Ursprünglich kommen sie aus Südeuropa, aber aufgrund der anhaltenden Klimaveränderung war es ihnen möglich die Alpen zu überqueren und sich nun auch nach Mitteleuropa auszubreiten. Trotz ihrer rein optischen Ähnlichkeit zur als Hygiene-Schädling eingestuften "Deutschen Schabe" (Blatella germanica) ist die Bernsteinschabe jedoch gänzlich harmlos, denn sie geht nicht an unsere Lebensmittelvorräte; sie ernährt sich ausschließlich von zersetzten Pflanzenteilen. Eine fachmännische Schädlingsbekämpfung ist somit nicht nötig. Die letzte Gewissheit bringt hier nur eine professionelle Schädlingsidentifikation durch einen Sachverständigen.

Die Bernsteinschabe ist schmal und erreicht Längen zwischen 9 und 14 mm. Ursprünglich ist sie im Mittelmeergebiet beheimatet gewesen, konnte sich aber aufgrund der globalen Erwärmung auch auf Gebiete jenseits der Alpen ausbreiten. Bereits Ende der 90er hat man sie zum ersten Mal in der Schweiz sichten können, von wo aus sie letztlich auch in die Bundesrepublik einwanderte; 2001 konnte zum ersten Mal eine deutsche Population beobachtet werden und zwar in Weil a. Rh. Im Jahr 2011 hatte sich das Insekt schon bis nach Freiburg im Breisgau ausgebreitet.

Es besteht eine erhebliche Verwechslungsgefahr mit der "Deutschen Schabe" (Blatella germanica), welche in der Bundesrepublik als ernstzunehmender Hygiene-Schädling eingestuft wurde. Sie kontaminiert unsere Lebensmittel und verursacht im schlimmsten Fall Krankheiten. Bei ihrer Identifikation helfen zwei dunkle Längsstreifen an ihrem Halsschild, direkt hinter dem Kopf. Bei der Bernsteinschabe fehlen diese nämlich. Weitere Unterschiede zur Bernsteinschabe sind Nachtaktivität, Flugunfähigkeit und Fluchtverhalten: Stört man die Kakerlake auf ihrem nächtlichen Streifzug, verkriecht sie sich unverzüglich in der nächstbesten Ritze.


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