Die Bernsteinschabe – harmloser Einwanderer oder gefährlicher Schädling?

Seit neuestem treten immer öfter verunsicherte Bürger mit Zoologen und Kammerjägern in Kontakt, weil sie sicher sind in ihrer Wohnung Kakerlaken vorgefunden zu haben. Fast immer zeigt sich jedoch, dass es sich bei dem entdeckten Schädling nur um die harmlose Bernsteinschabe handelt, welche oft mit der Kakerlake verwechselt wird.

Die Wärme favorisierende Bernsteinschabe (lat.: Ectobius vittiventris) zählt zur Unterfamilie der Waldschaben. Ihren Ursprung hat sie in Südeuropa, aber inzwischen konnte sie sich über die Schweiz bis hin nach Baden-Württemberg ausbreiten. Daher sieht man sie jetzt auch immer öfter in deutschen Haushalten. Da sich diese Schabenart jedoch im Gegensatz zur „Deutschen Schabe“ (lat.: Blatella germanica), nur von zersetztem, pflanzlichen Material ernährt, ist sie, im Gegensatz zu dieser, die Lebensmittelvorräte verunreinigenden Art, ungefährlich. Daher sind Maßnahmen zur Bekämpfung nicht unbedingt nötig. Lässt sich allerdings nicht komplett ausschließen, dass es sich um einen Befall durch Kakerlaken handelt, ist es besser eine professionelle Schädlingsidentifikation in Auftrag zu geben.

Zunächst nur im Mittelmeerraum beheimatet, war es der Schabe aufgrund des Klimawandels möglich die Alpen zu überqueren. In den 1990ern wurde sie dann das erste Mal in der nördlichen Schweiz gesichtet und im Jahr 2001 war sie bereits jenseits der Grenze, im Baden-Württembergischen Weil a.Rh. aufzufinden. Im Jahr 2012 hatte sie sich sogar schon ins weiter nördlich liegende Freiburg im Breisgau ausbreiten können.

Meist wird die harmlose Bernsteinschabe aufgrund ihrer Ähnlichkeiten zur „Deutschen Schabe“ mit dieser gefährlichen Schabenart verwechselt. Bei der „Deutschen Schabe“ handelt es sich eindeutig um einen Hygiene-Schädling, den Sie nicht unterschätzen sollten, da er unsere Lebensmittel befällt, wodurch schlimmstenfalls auch Krankheiten auf den Menschen übertragen werden können. Ein eindeutiges Merkmal zur Unterscheidung der beiden Schaben, sind die zwei dunklen, auffälligen Streifen auf ihrem Halsschild. Diese sind bei der Bernsteinschabe nicht vorhanden. Auch das Verhalten unterscheidet die beiden Arten: Im Gegensatz zur Bernsteinschabe ist die Deutsche Schabe nur nachts aktiv und flugunfähig. Außerdem erkennt man sie leicht an ihrem charakteristischen Fluchtreflex. Fühlt sie sich gestört, verschwindet sie umgehend im ersten Spalt, den sie finden kann.


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